Was ist ein Verdrahtungskanal?
Ein Verdrahtungskanal ist eine spezielle Form des Kabelmanagements, die hauptsächlich in der Elektrotechnik eingesetzt wird. Er dient dazu, elektrische Leitungen geordnet zu verlegen, zu schützen und gleichzeitig eine übersichtliche Struktur zu schaffen.
Funktion und Einsatzbereiche
Der Hauptzweck eines Verdrahtungskanals besteht darin, elektrische Kabel sicher zu bündeln und vor äußeren Einflüssen wie mechanischer Belastung, Staub oder Feuchtigkeit zu schützen. Gleichzeitig sorgt die geordnete Verlegung für eine verbesserte Luftzirkulation, wodurch Überhitzung in elektrischen Installationen vermieden werden kann.
Typische Einsatzbereiche:
- Schaltschränke: Zur strukturierten Kabelführung in Steuer- und Verteilerschränken
- Maschinen- und Anlagenbau: Schutz der Verdrahtung in industriellen Maschinen
- Gebäudetechnik: Verlegung von Leitungen in Technikräumen oder unter Putz
- Telekommunikation: Ordnung und Schutz für Netzwerkkabel und Kommunikationsleitungen
Besonders in industriellen Anwendungen sind Verdrahtungskanäle essenziell, da sie nicht nur für eine übersichtliche Verkabelung sorgen, sondern auch die Sicherheit und Wartungsfreundlichkeit elektrischer Anlagen erhöhen.
Unterschiede zwischen Kabelkanal und Verdrahtungskanal
Obwohl die Begriffe „Kabelkanal“ und „Verdrahtungskanal“ oft synonym verwendet werden, gibt es wesentliche Unterschiede zwischen beiden:
Merkmal |
Verdrahtungskanal |
Kabelkanal |
Einsatzbereich |
Vor allem in Schaltschränken und industriellen Anlagen |
Gebäudetechnik, Wandmontage, Büroinstallationen |
Konstruktionsweise |
Häufig mit geschlitzten Seitenwänden für flexible Kabelzuführung |
Meist geschlossene Bauform für optisch saubere Installation |
Montage |
Schraub- oder Schnappmontage, oft mit DIN-Bodenlochung |
Wandmontage oder Bodeninstallation |
Materialien |
PVC oder halogenfreies PC-ABS |
Kunststoff, Aluminium oder Metall |
Flexibilität |
Oft mit Sollbruchstellen zur individuellen Anpassung |
Feste Kanäle mit Abdeckungen |
Verdrahtungskanäle sind also speziell auf den Einsatz in Schaltschränken und industriellen Anwendungen ausgelegt, während klassische Kabelkanäle eher für allgemeine Elektroinstallationen, z. B. in Gebäuden oder Büros, genutzt werden.
Arten von Verdrahtungskanälen und ihre Eigenschaften
Verdrahtungskanäle sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, um den spezifischen Anforderungen in der Elektroinstallation gerecht zu werden. Neben der klassischen geschlossenen Variante gibt es geschlitzte Verdrahtungskanäle, die eine flexible Kabelführung ermöglichen, sowie halogenfreie Kanäle, die besonders in sicherheitskritischen Bereichen zum Einsatz kommen.
Verdrahtungskanal geschlitzt – Optimale Kabelführung und Belüftung
Ein geschlitzter Verdrahtungskanal zeichnet sich durch seitliche Öffnungen (Schlitze) in den Stegen aus. Diese Konstruktion ermöglicht ein einfaches Einführen und Herausführen von Kabeln, ohne dass diese durchgehend über die Kanalenden verlegt werden müssen. Dadurch wird die Installation deutlich flexibler und zeitsparender.
Vorteile geschlitzter Verdrahtungskanäle:
- Einfache Kabelführung durch seitliche Schlitze
- Optimale Belüftung, wodurch sich die Wärmeentwicklung in Schaltschränken reduziert
- Schnelle und flexible Montage, da Kabel auch nachträglich eingeführt oder entfernt werden können
- Montagefreundliche Eigenschaften, wie Sollbruchstellen an den Stegen zur individuellen Anpassung
Halogenfreie Verdrahtungskanäle – Sicherheit in sensiblen Bereichen
Halogenfreie Verdrahtungskanäle bestehen aus PC-ABS, einem speziellen Kunststoff, der im Brandfall keine korrosiven oder giftigen Gase freisetzt. Sie werden in sicherheitskritischen Bereichen eingesetzt, in denen ein hoher Brandschutz und geringe Rauchentwicklung erforderlich sind.
Typische Anwendungsbereiche:
- Öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser, Flughäfen oder Bahnhöfe
- Industriebereiche mit hohen Brandschutzanforderungen
- Schaltschränke in sensiblen Umgebungen, z. B. der chemischen Industrie
Flexibler Verdrahtungskanal – Anpassungsfähige Lösungen für spezielle Anwendungen
Während herkömmliche Verdrahtungskanäle oft starre Formen haben, gibt es auch flexible Verdrahtungskanäle, die sich biegbar oder anpassbar verlegen lassen. Diese sind besonders dort vorteilhaft, wo eine starre Führung nicht möglich oder gewünscht ist.
Merkmale flexibler Verdrahtungskanäle:
- Höhere Anpassungsfähigkeit an unregelmäßige Verläufe
- Einsatz in beweglichen Anwendungen, z. B. bei Maschinen mit beweglichen Teilen
- Erleichterung der Installation bei komplexen Kabelführungen
Farbvarianten: Verdrahtungskanal weiß, blau und mehr
Die Farbe eines Verdrahtungskanals dient nicht nur der optischen Anpassung, sondern kann auch zur Kennzeichnung bestimmter Stromkreise genutzt werden.
Typische Farbvarianten und ihre Verwendung:
- Grau (RAL7030, RAL7035): Standardfarbe für allgemeine Anwendungen
- Blau (RAL5012): Speziell für eigensichere Stromkreise in explosionsgefährdeten Bereichen
- Weiß: Selten genutzt, kann jedoch in bestimmten Umgebungen bevorzugt werden
Die richtige Farbwahl kann helfen, Kabelstrukturen übersichtlich zu gestalten und Sicherheitsstandards in elektrischen Anlagen einzuhalten.
Verdrahtungskanal für den Schaltschrank – Wichtige Anforderungen
Verdrahtungskanäle sind ein zentraler Bestandteil der Verkabelung in Schaltschränken und Steuerungsanlagen. Damit eine zuverlässige und langlebige Installation gewährleistet ist, müssen Verdrahtungskanäle in Schaltschränken bestimmte Anforderungen erfüllen, darunter mechanische Stabilität, Brandschutz und Zulassungen gemäß internationaler Normen.
Normen und Zertifizierungen für den Schaltschrankbau
Wichtige Normen für Verdrahtungskanäle in Schaltschränken:
- CEI EN 50085-2-3: Definiert die Anforderungen an Kabelkanalsysteme in der Elektrotechnik
- RoHS 2002/95/CE: Regelt die Verwendung umweltfreundlicher Materialien in der Produktion
- UL94 V0: Brandklassenzertifizierung für schwer entflammbare Materialien
- IK08 (6J): Mechanische Schutzklasse gegen Stöße und äußere Einwirkungen
Zulassungen und Zertifikate:
- UL-Zulassung (ZODZ2.E197662)
- VDE-Zertifikate für verschiedene Serien
- CSA-Zulassungen für internationale Märkte
- CE-Kennzeichnung als Nachweis der EU-Konformität
Durch die Einhaltung dieser Normen wird sichergestellt, dass unsere Verdrahtungskanäle auch in anspruchsvollen Industrieumgebungen zuverlässig, langlebig und sicher eingesetzt werden können.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Verdrahtungskanälen
Was ist der Unterschied zwischen einem Verdrahtungskanal und einem Kabelkanal?
Ein Verdrahtungskanal wird hauptsächlich in Schaltschränken eingesetzt und hat oft geschlitzte Seitenwände für flexible Kabelführung. Ein Kabelkanal ist meist geschlossen und wird für die allgemeine Elektroinstallation, z. B. in Gebäuden, verwendet.
Welche Materialien gibt es für Verdrahtungskanäle?
Verdrahtungskanäle sind aus PVC (schwer entflammbar) oder halogenfreiem PC-ABS (keine toxischen Gase bei Brand) erhältlich.
Warum gibt es Verdrahtungskanäle in verschiedenen Farben?
Farben dienen oft der Kennzeichnung von Stromkreisen. Beispielsweise steht Blau (RAL5012) für eigensichere Stromkreise. Standardfarben sind Grau (RAL7030, RAL7035) und Blau.